Bedrohlicher Anstieg von alltäglicher und unsichtbarer Gewalt

Im vierten Jahr in Folge steht der Verein Gewaltlos.de e.V. am „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“ (25. November) an der Seite Vieler, um mit einer deutschlandweiten Plakatkampagne auf den bedrohlichen Anstieg von alltäglicher und „unsichtbarer“ Gewalt aufmerksam zu machen. In 81 Städten wirbt der Verein nicht nur für sein Angebot, sondern positioniert sich für einen respektvollen und gewaltfreien Umgang sowie den Schutz und die Würde aller Menschen in Deutschland. Ganz gleich ob Frau oder Mann.

„Seit dem Frühjahr verzeichnen wir als überregionale Chatberatung für Mädchen und Frauen mit Gewalterfahrungen eine Verdoppelung an Besucherinnen“, erläutert Maria Elisabeth Thoma, Vorsitzende des Vereins, den signifikanten Anstieg an Hilfesuchenden. „Gerade in Zeiten von Corona, in der die Gewalt eher zunimmt, Face-to Face-Beratungen erschwert sind, bewährt sich das Konzept von Gewaltlos.de als niedrigschwelliger Zugang zur Beratung für Betro!ene umso mehr“, verdeutlicht die Vorsitzende die Bedeutung des digitalen Beratungsangebots.

Gewaltlos.de ist eine kostenlose und anonyme digitale Fachberatungsstelle für Mädchen und Frauen, die unterschiedliche Formen von Gewalt erfahren oder diese befürchten müssen. Hier bietet der Verein bereits seit 16 Jahren Beratung im Livechat als besonderes Medium zur Selbsthilfe an. Der niedrigschwellige Zugang erleichtert Frauen einen Einstieg in das Hilfesystem, die den Weg in eine lokale Beratungsstelle oder in ein Frauenhaus aus Angst vor Kontrolle und Repression oder Scham nicht gehen wollen bzw. können. Innerhalb der Chatberatung kommt dem Schreiben eine besondere Bedeutung zu: Der Blick richtet sich nach innen, ganz ähnlich einem Tagebucheintrag, dem ich intime und ausgesprochen vertrauliche Gefühle und Erlebnisse geschützt anvertraue. Und doch sitzt auf der anderen Seite eine reale Person, mit der oftmals brutale, erniedrigende und entwürdigende Erlebnisse geteilt werden – können. Die Klientinnen erleben durch das Niederschreiben eine erste Aufarbeitung des für sie Unaussprechlichen. Gewaltlos.de leistet darüber einen innovativen Beitrag zur Bewältigung von körperlicher, psychischer und ritueller Gewalt.

Anfang November 2020 hat Bundesfamilienministerin Franziska Gi!ey im Rahmen der Präsentation der Statistik des Bundeskriminalamts auf die dringende Notwendigkeit hingewiesen, Beratung, Hilfe und Prävention – auch digital – auszubauen und die Opfer von Gewalt aufzufangen. Sie fordert einen bundesgesetzlichen Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung, um schnell und unbürokratisch Hilfe zu bekommen. Diese Forderung begrüßt Gewaltlos.de e.V. ausdrücklich. Sie lässt zudem auf finanzielle Unterstützung ho!en, da der Verein seit 16 Jahren durch seine überregionale Reichweite keine Zuständigkeit für eine ö!entliche Zuwendung findet.