Cybergrooming – Virtueller Tatort, reale Gewalt

Cybergrooming (englisch: anbahnen, vorbereiten) – Virtueller Tatort, reale Gewalt

Das Thema Online- Kriminalität beschäftigt uns in der Beratung mehr und mehr. Erst jüngst wurde eine Kinderpornoplattform mit fast 90.000 Usern entdeckt und abgeschaltet. Es ist unfassbar, dass so viele Menschen das Leid der betroffenen Kinder in Kauf nehmen und sich mitschuldig machen.

Gewaltfallen im Internet gibt es viele. Eine davon ist Cybergrooming, das gezielte Anbahnen eines Kontaktes zu minderjährigen Mädchen und Jungen im Netz.

Das Ziel ist der persönliche Kontakt auch außerhalb des Internets und letztlich der sexuelle Missbrauch der Betroffenen. gewaltlos.de hat im März diesen Jahres einen Fachtag mit Expertinnen und Experten zu diesem Thema abgehalten. Es gibt schon einige Schutzmechanismen, die Eltern einstellen können, aber manchmal sind diese Mechanismen nicht ausreichend.

Ein Beispiel: Marie ist 13 Jahre alt und spielt regelmäßig auf ihrem Smartphone ein Onlinespiel, FSK 0 Jahre.
Nach ein paar Spielen wird sie von einem Mitspieler angesprochen. Sie tauschen sich aus, erzählen ein bisschen über private Dinge. Er schreibt, dass er 15 Jahre alt ist und es schön finden würde, wenn er wüsste, wie Marie ausschaut. Sie schickt ein Foto von sich. Er findet sie toll! Er schmeichelt ihr, dafür ist die gerade pubertierende und unsichere Marie empfänglich. Sie erzählen weiter, der Täter lernt Schwachstellen kennen. Er bittet sie ein „Oben ohne“-Foto zu schicken. Sie kommt dem Wunsch nach, obwohl sie sich nicht ganz wohl dabei fühlt.

Ist das erste freizügige Bild verschickt, drohen die Täter und Täterinnen, das Bild im Freundes- und Familienkreis zu verbreiten. Sie fordern weitere Bilder oder ein Treffen mit den Opfern.

Es setzt sich eine Spirale in Gang, die die Jugendlichen ohne Hilfe von außen kaum noch stoppen können.
„Aus diesem Grund bieten wir bei gewaltlos.de Hilfe an, hören genau zu und überlegen mit den Betroffenen, wie die Situation beendet werden kann ohne weiteren Schaden anzurichten“, sagt Dilek, Beraterin bei gewaltlos.de

Geplant sind auch Chats für Eltern zu diesem Thema.

Cybergrooming ist reale Gewalt, die im virtuellen Raum beginnt. Um sie zu stoppen sind zwei Dinge wichtig:

  1. Aufklärung – Betroffene, Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer müssen wissen, dass es Cybergrooming gibt.
  2. Beratung – Wer von Cybergrooming betroffen ist, muss wissen, dass es Beratungsangebote gibt, die helfen, dem Leiden ein Ende zu setzen.

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