Herausragend engagiert – Christine Finke

Christine-Finke-by-Anna-Glad

Wie ist Dein Leben so gelaufen? Wo stehst Du gerade?

Christine ist dreifache Mutter, studierte Anglistin, Romanistin und Phonetikerin, und promovierte Sprachwissenschaftlerin. Nach der Zeit als Mitarbeiterin an der Uni arbeitete sie in diversen Redaktionen und auch freiberuflich, gründete 2011 den mehrfach mit Preisen ausgezeichneten Blog „Mama arbeitet“, und ist Buchautorin. Sie setzt sich öffentlichkeitswirksam als Lobbyistin für Alleinerziehende ein und sitzt seit 2014 für eine überparteiliche Wählervereinigung im Stadtrat von Konstanz am Bodensee.

Wir würden Dir gerne ein paar Fragen stellen.

Liebe Christine, als eine von ca. 1,5 Millionen Familien bist Du alleinerziehender Elternteil.  Was hat Dich dazu bewogen, Dein Leben, Deine Höhen und Tiefen öffentlich zu machen?

Ich hatte den Wunsch, mich mitzuteilen – es war anfangs gar nicht geplant, dass ich mit dem Thema Alleinerziehende so eine prägende Stimme werde. Das hat sich eigentlich eher ergeben, weil ich in meinem Blog über unser Leben schreibe, und als ehemalige Wissenschaftlerin und Journalistin natürlich immer auch nach Zusammenhängen und Hintergründen schaue.

Dabei ist mir dann aufgefallen, dass ich gar nicht alleine bin mit meinen Problemen im Alltag, und dass es ein sehr großes Bedürfnis nach Austausch und auch gegenseitiger Vernetzung gibt. Das Schreiben war dabei das Mittel meiner Wahl, und ich bin immer mutiger dabei geworden im Laufe der Jahre. So mutig, dass ich mittlerweile sogar in großen TV-Sendungen wie Stern TV oder Maybrit Illner sitze und dort über das Thema Alleinerziehende spreche – wenn auch jedes Mal mit Herzklopfen. Ich finde es wichtig, für Sichtbarkeit zu sorgen, damit sich etwas ändern kann.

Welches besondere Anliegen hast Du, wenn Du Deine knappe Zeit für politische Arbeit einsetzt?

Mein Herzensthema ist das Soziale, insbesondere Chancengleichheit für Kinder und Teilhabe von sowohl armen als auch behinderten Kindern. Kinderarmut, Frauenarmut und alle feministischen Themen sind die Bereiche, in denen ich am stärksten engagiert bin. Bildung und Kinderbetreuung sind natürlich auch Themen, die mich umtreiben – das gehört ja alles irgendwie zusammen. Und außerdem ist es mir wichtig, Frauen im politischen Betrieb zu stärken, ich interessiere mich auch auf Meta-Ebene für Politik und politische Teilhabe.

Welche Erfolge konntest Du bereits erzielen?

Für mich ist es immer ein Erfolg, wenn ich merke, führende PolitikerInnen hören mir zu. Oft werde ich auch eingeladen, um z.B. bei Fachgesprächen im Landtag oder Bundestag als Referentin oder Speakerin vorzutragen, da finden dann hochkarätige Gespräche mit Fachleuten statt, die teils in Gesetzesvorhaben einfließen oder zumindest für Umdenken sorgen. Worauf ich auch sehr stolz war, ist meine Rede bei der Landeskonferenz der Bayerischen Grünen vor 400 Delegierten, oder TV-Auftritte als Expertin in sehr reichweitenstarken Sendungen wie dem heute journal. Und dass Manuela Schwesig mich angerufen hat, kurz bevor sie mit der Nachricht an die Öffentlichkeit ging, dass der Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende nicht mehr auf 6 Jahre und das maximale Alter von 12 begrenzt wird, war auch ein echter Knüller. Ach, und wie Katarina Barley mich ins Familienministerium einlud, und wir eine Stunde lang ein 4-Augen Gespräch über Wechselmodell und die Problematik von Frauen, die sich aus Gewaltbeziehungen befreien, und die damit verbundenen Schwierigkeiten beim Umgang und beim Sorgerecht, natürlich auch!

Was nervt Dich besonders?

Dass es im Moment eher wieder rückwärts geht mit den Frauenrechten. Und die wirklich dummen, bösartigen Maskulisten. Diese Typen haben unheimlich Freude daran, Frauen wie mich zu bashen und mit Hass zu überschütten. Das ist unglaublich armselig.

Hast Du Erfahrungen mit Gewalt gemacht?

Ja, zum Einen wie wahrscheinlich jede Frau, also sexuelle Nötigung auf der Straße oder in öffentlichen Verkehrsmitteln, wenn ich alleine unterwegs war als junge Frau. Zum anderen auch im Zuge der Trennung, als ich meinen Mann verließ. Wie ich seitdem weiß, ist die Trennung oder die Zeit kurz danach die gefährlichste im Leben einer Frau. So war das bei mir leider auch. Ich wurde von meinem Exmann angegriffen und schwer verletzt, sogar mit einem Messer bedroht. Aber auch schon in der langjährigen Ehe (wir waren über 10 Jahre zusammen) hatte es immer wieder Momente gegeben, in denen mein Mann ausgerastet war. Nur hatte es keine körperliche Gewalt gegen mich (oder gar die Kinder) gegeben. Mein Gewaltbegriff war damals noch sehr unreflektiert – heute weiß ich, dass Gewalt schon längst an der Tagesordnung war in meiner Beziehung. Denn schon das Knallen von Türen, oder nächtliches Aufwecken, um Dinge auszudiskutieren, ist ein gewaltsamer Akt. Nach der Trennung musste ich dann finanzielle Gewalt erleben – das Verschwinden von 30.000 € vom meinem Girokonto in der Nacht nach der Trennung, und dass meine Kinder heute keinen Unterhalt erhalten, ist ja auch Gewalt.

Gibt es Frauen die sich an Dich wenden, wenn ihnen Gewalt widerfährt? Wie hilfst Du ihnen weiter?

Ja, das gibt es immer wieder Mal. Besonders, wenn ich darüber etwas im Blog schreibe, was ab und zu vorkommt. Ich verweise eigentlich immer an Gewalt- und Frauenberatungsstellen, denn die können kompetenten Rat erteilen und haben auch Ansprechpartner fürs Praktische vor Ort an der Hand, also RechtsanwältInnen und Ärzte, die die Verletzungen gerichtsfest dokumentieren können. Ich antworte immer, wenn ich so eine Mail bekomme, weil ich weiß, wie verzweifelt frau sich in so einer Lage fühlt.

Herzlichen Dank für diesen Einblick in Dein Leben, Deine Motivation und Kraft!

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