Herausragend engagiert – unsere neue Rubrik

In unserer neuesten Rubrik für unseren Blog, möchten wir euch Persönlichkeiten vorstellen, die sich unserer Meinung nach in besonderem Maße FÜR Frauenrechte und GEGEN Gewalt an Frauen engagieren.

In unserem ersten Beitrag möchten wir euch Lea Gölnitz vorstellen, die, wie wir finden, herausragend engagiert ist, weil sie sich in vielfältiger Weise für die Rechte von Frauen weltweit einsetzt. Lea hat überzeugende und erstaunliche Ideen, um die Gleichstellung der Frau voran zu treiben. 

Lea hat in Glasgow studiert und dort den Master für Menschenrechte und Internationale Politik erlangt. Seit Ende 2017 arbeitet sie für die Friedrich-Ebert-Stiftung in Singapur und setzt sich in Projekten – insbesondere in Asien – für soziale und Geschlechtergerechtigkeit ein. Außerdem war Lea Projektkoordinatorin der NRO (Nicht-Regierungs-Organisation) Discover Footballin Neu-Delhi und Berlin. Die NRO nutzt Fußball als Strategie, um Emanzipation und Gleichberechtigung zu thematisieren und damit verbundene Missstände sichtbar zu machen.

Lea arbeitete auch für weitere NROs in Deutschland, Indien und Uganda, die sich für Frauenrechte in den entsprechenden Ländern engagieren.

In unserem Interview mit Lea möchten wir noch mehr über sie erfahren.

Lea, wir wissen über dich, dass du sehr engagiert und mit Herzblut bei der Sache bist. Was bewegt dich dazu, dich für Frauenrechte einzusetzen?

Lea: Der Einsatz für Frauenrechte ist für mich sehr stark mit Geschlechtergerechtigkeit und vor allem mit sozialer Gerechtigkeit verbunden.

Damit meine ich den gerechten Zugang zu und die Verteilung von Ressourcen, Gütern und Macht, sowie eine faire Teilhabe am Leben und zwar für alle. Frauenrechte zu stärken und feministische Arbeit sind für mich ein Weg, sich dafür zu engagieren. 

Mit Discover Football hast du auch mit Frauenrechten gearbeitet. Warum ausgerechnet Fußball?

Lea: Fußball begeistert wie kein anderer Sport und wird oberflächlich oft als unpolitisch wahrgenommen, doch das ist überhaupt nicht der Fall und das nutzen wir, um Geschlechtergerechtigkeit neu zu positionieren und zu diskutieren. Männer im Fußball bekommen mehr Aufmerksamkeit, mehr Geld und haben mehr Macht, genauso wie in der Welt außerhalb des Fußballs. Fußball ist nicht besser oder schlechter als die Gesamtgesellschaft, aber Themen wie Gender Pay Gap, Gewalt, Homophobie, Rassismus und zu schwache Repräsentation von Frauen und Minderheiten in Führungspositionen sind teilweise ins Extreme verzerrt. Vor allem können wir mit Frauenfußball wunderbar mit Geschlechter-Stereotypen brechen und die Leute zum Nachdenken bringen. Frauen spielen trotz Diskriminierung, Schikane, Verboten und Morddrohungen überall auf der Welt Fußball – von Afghanistan über Tibet zu Burkina Faso. Der Kampf, Fußballspielen zu können, findet sich auch in anderen Alltagskämpfen von Frauen wieder, wie zum Beispiel gegen Belästigung bei der Arbeit oder auf der Straße. Oder der erfolgreichen Durchsetzung von iranischen und jordanischen Spielerinnen, offiziell mit Kopftuch spielen zu dürfen. Als Frau Fußball zu spielen ist politisch und stellt Geschlechterrollen und Machtverhältnisse in Frage und trägt damit zur Stärkung von Frauenrechten bei. 

Der Weltfrauentag ist seit diesem Jahr in Berlin ein gesetzlicher Feiertag. Die Meinungen dazu sind gespalten. Wie ist dein Statement?

Lea: Ich finde es einerseits sehr gut, ein Feiertag manifestiert nochmal mehr die Wertschätzung der vorherigen Frauenrechtskämpfe, andererseits ist somit ein Streik / aktivistischer Tag ein Feiertag, was dem Ganzen auch wieder die Luft nimmt. Ich habe aber für beide Seiten Verständnis und finde das Symbol gut. 

Wir von Gewaltlos.de machen die Erfahrung, dass es auch in Deutschland für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen noch große Hürden gibt, sich Hilfe zu holen. Wie kann man deiner Meinung nach diese Barrieren verringern (außer durch Anonymität wie in unserem Chatbereich), wie kann man Ängste nehmen, in Deutschland, aber auch in anderen Ländern, in denen du aktiv bist?

Lea: Ich glaube, es muss dazu immer auf mehreren Ebenen gleichzeitig gearbeitet werden, aber sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern sehe ich als ein Grundproblem, dass Gewalt gegen Frauen immer noch stark tabuisiert wird, Frauen oft nicht geglaubt wird und ihnen selbst die Schuld gegeben wird, wenn sie Opfer von Gewalt werden. Der Fokus sollte auch darauf liegen, warum Täter Täter werden und wie das zu verhindern ist und nicht so sehr darauf, was die Opfer tun könnten, um Gewalt zu verhindern. Alle Unterstützungsprojekte wie auch Gewaltlos.de sind sehr wichtig, aber kommen eben an ihre Grenzen, wenn sich der Status von Frauen nicht verbessert und dazu müsste auf politischer Ebene, aber auch in der Bildung und Wirtschaftspolitik dran geschraubt werden. 

Hast du das Gefühl, dass es Fortschritte gibt und, dass deine Arbeit etwas bewirken kann? Und wie ist das in Asien? 

Lea: Ich hoffe natürlich sehr, dass die Arbeit etwas bewirkt, aber ich glaube es geht nicht immer unbedingt voran, sondern es gibt leider auch Rückschläge. Mit dem Erfolg populistischer Politiker und Regime in vielen Regionen der Welt kam auch ein Backlash gegen Frauen. Viele Rechte, die in den 1990ern als ziemlich sicher und ausbaufähig galten, sind in letzten Jahren in vielen Ländern wieder umstritten (z.B. Recht auf Abtreibung). Gleichzeitig gab es natürlich Bewegungen wie #MeToo, und schon vorher in Deutschland #aufschrei und #ausnahmslos, die Sexismus und Gewalt gegen Frauen wieder mehr in die Öffentlichkeit gebracht haben. Ich glaube aber, dass es noch zu früh ist, das an sich als Erfolg zu feiern. Ob sich strukturell überhaupt was ändert werden wir erst noch sehen, aber eine Bewegung oder ein Projekt allein kann auch nicht viel bewirken. Auch in Ländern in Asien gab es die #MeToo Bewegung und auch davor starke Frauenbewegungen, schon seit den Anti-Kolonialismusbewegungen und sogar davor, alles baut auf einander auf und trotzdem scheint jede Generation ihre eigenen Kämpfe führen zu müssen. 

Gleichzeitig ist die Welt voll von inspirierenden Frauen, von denen ich auch viele durch meine Arbeit kennenlerne und die in ihrem Umfeld auf jeden Fall Debatten auslösen und an patriarchalischen Strukturen rütteln und somit Fortschritte erzielen. Die Wirkungskreise sind vielleicht manchmal kleiner oder werden erst später offensichtlich, was natürlich nicht sehr medienwirksam dokumentiert werden kann. Deswegen ist unsere Wahrnehmung zum Forstschritt für Frauenrechte manchmal auch verzerrt. Aber Ich bin auch sehr ungeduldig und bin durch meine Arbeit natürlich in einer bestimmten Blase und finde, alles müsste noch viel schneller gehen. 

Was macht Dich wütend, wenn Du an Gewalt gegen Frauen denkst?

Lea: Es macht mich wütend zu sehen, wie sehr Gewalt die Lebensqualität von so vielen Frauen einschränkt, sie ihr Verhalten anpassen müssen, sie nicht ihre Träume und Lebensziele erfüllen können und ihr Leben verlieren und gleichzeitig bekommt das Thema kaum Aufmerksamkeit von Medien und Politik. Wenn Gewalt gegen Frauen so hoch auf der Agenda stehen würde wie andere Sicherheitsthemen, wären wir vielleicht schon weiter, vor allem gäbe es mehr Ressourcen. 

Was macht Dir Hoffnung bei der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen?

Lea: Das World Economic Forum (Weltwirtschaftsforum) hat vor einiger Zeit bekannt gegeben, dass wir nach dessen Berechnung noch mehr als 200 Jahre brauchen werden, um Gleichstellung zu erreichen. Das ist natürlich erstmal erschütternd, aber gleichzeitig motiviert es auch, denn wenn wir gar nichts machen, wird sich das noch um wer weiss wieviele Jahre verschieben. Hoffnung geben mir auf jeden Fall die vielen Frauen und auch Männer, die sich mit viel Engagement und sehr guten Ideen für Frauenrechte einsetzen und sich nicht einschüchtern lassen. 

Danke, Lea, dass du dir die Zeit genommen hast unsere Fragen so ausführlich zu beantworten. Wir von Gewaltlos.de wünschen dir alles Gute und viel Erfolg für deine bestehenden und bevorstehenden Projekte!

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