Häusliche Gewalt

Wie es der Name schon vermuten lässt, werden unter dem Begriff der „Häuslichen Gewalt“ alle Gewaltausübungen verstanden, die innerhalb eines Haushaltes stattfinden. Hierzu zählt daher nicht nur Gewalt in Paarbeziehungen, sondern auch Gewalt gegen Kinder, Gewalt von Kindern gegenüber ihren Eltern und Gewalt zwischen Geschwistern.

Wie Untersuchungen in den letzten Jahren gezeigt haben, ist die am häufigsten auftretende Erscheinungsform häuslicher Gewalt die, die innerhalb von Paarbeziehungen stattfindet. Wir möchten uns in unseren weiteren Ausführungen vorrangig auf diese Form beziehen. Paarbeziehungen in denen Gewalt vorkommt, schließt neben heterosexuellen Paaren auch gleichgeschlechtliche, verheiratete, getrennt lebende und in eheähnlicher Lebensgemeinschaft lebende Paare mit ein.

Dort wo eigentlich ein Ort des Schutzes, der Sicherheit und Geborgenheit sein sollte, findet in diesen Fällen Gewalt in den „eigenen vier Wänden“ statt. Dies hat besondere Konsequenzen für das Opfer, weil es keinen Rückzugs- bzw. Schutzraum mehr gibt, kein Sicherheitsgefühl mehr eintreten kann und ein Gefühl entsteht, dem Täter schutzlos ausgeliefert zu sein ohne das es die Umwelt mitbekommt bzw. nicht mitbekommen darf.

Häusliche Gewalt ist in der Regel kein einmaliges Ereignis. Sie ist nicht ein „Versehen“ oder eine „Ausnahme im betrunkenen Zustand“, sie ist keine „Bagatelle“ und auch „keine hilflose Reaktion auf eine Provokation“. Keine dieser oft von den Tätern verwendeten „Entschuldigungen“ oder „Erklärungen“ rechtfertigt Gewalt gegenüber einer anderen, ihm nahestehenden Person.

Häusliche Gewalt zielt in der Regel darauf ab, Macht und Kontrolle über die Partnerin und deren Handeln und Denken zu gewinnen. Hierbei nutzt der Täter in der Regel seine vermeintlich körperliche und/oder geistige Überlegenheit gegenüber der Partnerin aus, um diese zu kontrollieren und ihr gegenüber seine Macht demonstrieren zu können.

Andauernde häusliche Gewalt führt bei den Betroffenen zu einem Leben in ständiger Angst, weil die Opfer nicht wissen, wann der nächste unkalkulierbare „Ausraster“ kommt. Dies zerstört das Selbstbewusstsein des Opfers und kann schließlich bis zur Handlungsunfähigkeit führen. Aus Angst und Scham trauen sich die Betroffenen oftmals nicht sich anderen vertrauten Personen oder professionellen Fachkräften anzuvertrauen. Sie geben sich ihrer Situation hin und führen ein Leben in Angst, Kontrolle und Unberechenbarkeit.

 

Wie äußert sich häusliche Gewalt?

Häusliche Gewalt äußert sich in:

  • physischer Gewalt (Schlagen, Stoßen, Beißen, Würgen, mit Gegenständen werfen, etc.)
  • psychischer Gewalt (Beschimpfung, Drohung, Beleidigung, Verbot, Kontrolle, Nachstellung, Freiheitsberaubung, Demütigung, Erniedrigung, etc.)
  • sexueller Gewalt (Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Zwang zur Prostitution etc.)

Die Gewaltformen treten hierbei nicht zwangsläufig einzeln, sondern sehr häufig auch in gemischter Form auf.

 

Was ist mit den Kindern?

Frauen die in einer von häuslicher Gewalt geprägten Beziehung/Ehe leben, haben oftmals auch Kinder, die hierdurch zu Zeugen und Mitbetroffenen werden. Sie sind der Situation schutzlos ausgeliefert, weil sie im gleichen Raum oder in einem Nachbarzimmer sind, wenn es zu den Gewaltausübungen kommt. Sie werden vielleicht sogar selbst Opfer von körperlicher Gewalt weil, sie sich auf dem Arm der Mutter befinden oder einen geworfenen Gegenstand abbekommen. Sie müssen mit ansehen oder anhören wie einer ihrer geliebten Elternteile geschlagen, beleidigt oder beschimpft wird.

Kinder sehen und hören wie sich die Mutter unterordnet oder versucht den Vater zu besänftigen. Darüber hinaus sehen sie die Blutergüsse und bekommen mit wie die Mutter vor Freunden und Bekannten erzählt, sie sei auf der Treppe hingefallen. Die Kinder werden in ein großes Familiengeheimnis mit hineingezogen über das sie nicht reden dürfen und stehen somit alleine mit ihren Ängsten, Sorgen und verwirrten Gefühlen da.

Kinder sind mit diesen doch sehr belastenden Situationen oftmals überfordert und reagieren in unterschiedlicher Weise auf diese Traumatisierung. Einige ziehen sich in sich zurück, andere übernehmen die Verantwortung für die Versorgung und den Schutz der Mutter und der Geschwister, andere Kinder werden aggressiv gegenüber sich und/oder ihrer Umwelt. Darüber hinaus können Reaktionen wie Ängstlichkeit, Schlafstörungen, Einnässen auftreten.

Auch wenn es schwer ist aus diesen oftmals sehr lang anhaltenden Gewaltbeziehungen auszubrechen, sollte die oberste Priorität der Schutz der Kinder und natürlich der eigene Schutz darstellen. Auch wenn der Täter sagt, dass es nicht mehr vorkommt und es ihm Leid tut, aber die Erfahrung hat gezeigt, dass der Täter immer wieder Gründe und Rechtfertigungen für seine Gewaltausübungen findet – egal was das Opfer tut.

 

Was kannst Du tun?

Im ersten Schritt solltest Du bei akuter Bedrohung die Polizei rufen (110) und den Täter anzeigen. Die Polizei hat die Möglichkeit im Rahmen einer Wegweisung den Täter für ein paar Tage oder einige Wochen die Rückkehr in die Wohnung zu untersagen. Die Türschlüssel werden von der Polizei sichergestellt und verwahrt.

Auch Du hast im Rahmen des Gewaltschutzgesetzes die Möglichkeit durch einen Antrag beim zuständigen Amtsgericht, die alleinige Überlassung der Wohnung zu beantragen (siehe auch hier).

Das ermöglicht Dir in Ruhe darüber nachzudenken, ob Du in der gemeinsamen Wohnung bleiben, zu Freunden oder Verwandten ziehen oder gegebenenfalls in ein Frauenhaus gehen möchtest. Dorthin kannst Du auch Deine Kinder mitnehmen (eine Liste mit Frauenhäusern findest Du hier).

Vermeide den Kontakt zu dem Täter, auch wenn er noch so oft versucht mit Dir und/oder Deinen Kindern zu sprechen, Dich unter Druck setzt. Du kannst beim zuständigen Amtsgericht mit Hilfe eines Rechtsbeistandes eine Schutzanordnung beantragen, die ihm verbietet mit Dir Kontakt aufzunehmen. Für eine solche Schutzanordnung ist es wichtig, Atteste, Zeugen oder Anzeigen vorweisen zu können, um dem Gericht nachweisen zu können, dass eine Bedrohung von dem Täter ausgeht.

Scheue Dich nicht mit Familie, Freunden oder aber auch mit Fachkräften über Deine Situation zu sprechen und bleib nicht weiter alleine mit Deinen Ängsten und Sorgen. Es gibt Menschen die Dich verstehen, die Dir zuhören und Dir helfen möchten.

Wenn Du nicht weißt wo Du Ansprechpartner findest, kannst Du uns gerne eine E-Mail schreiben und wir suchen Dir Beratungsstellen vor Ort raus.

 

Hab Mut, für Dich und Deine Kinder !!!!

Es gibt Wege aus dieser Situation und Du bekommst auch Hilfe von außen!!!!

Du hast ein Recht darauf ein Leben ohne Gewalt führen zu können!!!!!